10 Tipps für den Start in Deine Atempraxis

Atemübungen sind grundsätzlich leicht zu erlernen. Doch ich erlebe regelmäßig, dass Motivation und gute Ansätze schnell verloren gehen. Disziplin ist das Stichwort. Dran bleiben, vor allem an Tagen, an denen Du überhaupt keine Lust oder viel zu tun hast. Oft werden aber auch kleine Unsicherheiten oder vermeintliche Argumente wie  „bevor ich etwas falsch mache, lasse ich es lieber“ zu Hürden. Das soll Dir nicht passieren – Hier sind 10 Tipps zur Entwicklung deiner eigenen Atempraxis.

Warum sind Praxistipps so wichtig?

Ein gesundes Atemmuster und die Kontrolle über den Atem bekommst Du nicht über Nacht. Es bedarf einige Stunden der steten Übung und Selbstreflexion. Doch mit Tipps aus der Praxis kannst Du Dir eventuell den ein oder anderen Umweg ersparen. Durch meine täglichen Coachingeinheiten entstehen viele praxistaugliche Erkenntnisse. So lernt man als Trainer vom Klienten und umgekehrt. „Warum habe ich das nicht gleich so erklärt?“ oder „Jetzt verstehe ich , warum diese Übung nicht so gut funktioniert, ich ersetze diese erstmal durch eine andere“. Es ist ein stetiges Probieren und Versuchen, bis das Setup funktioniert. Jeder Mensch ist anders, hat andere Gedankengänge und emotionale Trigger. Die Übung, die heute nicht funktioniert, kann ein paar Wochen später, genau die Übung sein, die den Kunden dann auf das nächste Level bringt. Rückblickend betrachtet sind solche Erfahrungen die wertvollen Momente. Dazu kommen die vielen Stunden der persönlichen Praxis, laufende kleinere und größere Selbstexperimente. Mit der Zeit lernt man, was einem gut tut, verbessert technische Details, spürt was funktioniert und was man wie weitergeben kann. Mit diesen Praxistipps möchte ich Dir helfen, einen guten Start in die Atempraxis zu bekommen. 

#1 Kickstart mit Disziplin

Mehr Grundregel als Tipp. Bei allem, was Du neu erlernen willst, ist eine gewisse Ausdauer nötig. „Dran bleiben“ gilt selbstverständlich auch für Atemübungen. Als Faustformel zum Start: 2-4 Wochen am besten tägliche, konstante Praxis. Der Zugang zum Atem und das Spüren der Wirkung von Atemübungen empfindet jeder anders und: Es benötigt etwas Zeit. Ohne diese Beharrlichkeit wirst Du es schwer haben, die Kraft der Atemübungen zu erfahren. 

#2 Atemübungen sind kein Leistungssport

Der Atem soll fließen. Wenn er „stolpert“ oder nicht tief und lang genug ist, versuche nicht, mit Kraft oder Druck zu arbeiten. Das Ego bringt Dich nicht weiter. Bleib locker und übe mit einer entspannten Geisteshaltung. Der Atem ist der Spiegel zu Deiner Seele. Er ist eng mit unseren Emotionen verknüpft: Du kannst durch ihn direkt Einfluss nehmen auf deinen seelischen Zustand. Lerne, zu beobachten und sanft und ohne Leistungsdruck an Deinem Atem zu arbeiten. 

#3 Finde Deine Zeit

Suche dir einen Zeitpunkt aus, der sich für eine regelmäßige Atempraxis eignet. Helfen Dir Atemübungen am Morgen klarer in den Tag zu starten? Oder besser am Abend nach einem arbeitsintensiven Tag zur Entspannung und Erfrischung Deiner Zellen mit neuer Energie? Probiere verschiedene Zeiträume und finde es heraus.

#4 Störungsfreie Umgebung schaffen

Smartphone und Co. ausschalten. Immer wieder erlebe ich in der Zusammenarbeit mit Kunden, dass das Smartphone mit einem „eMail-Ton“ die letzten Minuten in Entspannung und Konzentration unterbricht. Auch solltest Du Dir einen ruhigen Platz suchen und gegebenenfalls Lebenspartner und Familienmitglieder über Deine Atempraxis informieren und zum Beispiel ein Erkennungszeichen an der Tür befestigen (Post-it ankleben, Socke um die Türklinke o.ä.), so dass Du ungestört praktizieren kannst.

#5 Bewegung vor dem Atmen

Leichte Bewegung hilft Dir, dich auf die nachfolgende Atmung zu konzentrieren. Nach der Geschäftsreise direkt in den Sitz und atmen? Gute Idee, aber mach vorher ein paar lockere Bewegungen. Der Einstieg über den Körper in Deine Atempraxis wird Dir leichter fallen. Durch lockere Stretchings aktivierst Du Deinen Körper, baust schonmal etwas Stress ab, kommst besser in eine gute Sitzposition und die Konzentration auf nachfolgende Atemübungen wird leichter.

"Meditation macht mir Spaß und ich war auf der Suche nach professioneller Unterstützung, die mich instruiert, mir neue Techniken beibringt und wodurch ich lernen kann, besser mit Stress umzugehen. Diesen Weg bzw. die Steuerung habe ich durch Atemübungen wieder gefunden."

#6 Finde Deine Sitzposition

Steife Hüften, verkürzte Muskeln. Die meisten Sitzathleten sind – höflich formuliert – nicht die beweglichsten Menschen. Stundenlange Schreibtischarbeit, allgemeiner Bewegungsmangel und mentaler Stress hinterlassen Spuren. Jetzt sollst Du für Atemübungen idealerweise in einem stabilen, möglichst bewegungslosen Sitz verharren und Dich auf die Atmung konzentrieren. Wenn es nach ein paar Minuten „zwickt und zieht“ hast Du ein Problem. Die Lösung: Finde eine Sitzposition, in der Du 10-20 Minuten bequem und ohne Schmerzen sitzen kannst. Nutze zur Unterstützung Kissen, Decken, Yogablöcke, o.ä. und mach es Dir so bequem wie möglich.

#7 Zwei Atemtechniken zum Start 

Konzentriere Dich zum Start auf möglichst wenige Atemübungen. 
Es gibt Atemtechniken in unzähligen Variationen, da verliert man schnell den Überblick. Ist das Interesse erstmal geweckt, möchte man am liebsten alle Techniken ausprobieren und deren Effekte kennenlernen. Das führt aber zu nichts: Zwei grundlegende Atemübungen, wie zum Beispiel die Verbesserung Deiner Zwerchfell- oder Bauchatmung in Kombination mit der Wechselatmung sind völlig ausreichend. Mit diesen zwei kraftvollen Instrumenten stärkst Du die Wurzeln Deines Baums, um weiter zu wachsen. 

#8 Frustfaktor Ablenkung 

Der Geist ist ein sehr sprunghaftes „Wesen“. Du wirst manchmal schon nach wenigen Sekunden abschweifen und über alle möglichen Themen nachdenken. Besonders an stressigen Tagen scheint geistige Ruhe fast unmöglich. Der unruhige Geist wird immer wieder deine Aufmerksamkeit und deinen Körper bewegen wollen. Nimm es locker und gib Dir etwas Zeit. Stabile Aufmerksamkeit will gelernt werden. Wenn Du gedanklich abschweifst, bring Deine Konzentration einfach immer wieder geduldig und ohne Selbstkritik zurück zum Atem. Es erfordert etwas Übung, doch Du wirst die Früchte ernten.

#9 24/7-Nasenatmung

Bitte immer durch die Nase ein- und ausatmen. 24 Stunden – Tag und Nacht. Es gibt nur wenige Atemtechniken, bei denen man bewusst den Mund nutzt. Darauf wird immer explizit hingewiesen. Die Nase ist das Tor zu Deiner inneren Welt und eine Luftaufbereitungsanlage. Durch die Nase atmest du saubere, befeuchtete und warme Luft ein und schaffst somit die besten Bedingungen für Deine Lunge, den Blutkreislauf, das Zwerchfell und vieles mehr. Das ist auch im Alltag wichtig, zum Beispiel beim Schlafen. „Mundatmer“ verschenken leider sehr viel Energie und Regenerationspotential in der Nacht.

#10 Zentrierung und Endentspannung

Ankommen und Nachspüren ist Teil einer guten Atempraxis. Nimm Dir vor und nach den Atemtechniken jeweils 1-2 Minuten Zeit und lege Dich regungslos auf den Rücken. Spüre Deinen Atem, Deinen Körper und beobachte Deine Gedanken und Emotionen. So lernst Du die Wirkungen von Atemübungen besser einzuschätzen und nutzt deinen Atem als Biofeedbacksystem.  

Fazit

Ich bin sicher, dass Du von einer regelmäßigen Atempraxis im Alltag enorm profitieren kannst. Der Atem steht in direkter Verbindung zu allen wichtigen Körpersystemen und hat somit einen enormen positiven (oder negativen) Effekt. Ich hoffe, die 10 Praxistipps helfen Dir, von Beginn an kleine Fehler zu vermeiden um Deinen eigenen „Atem-Flow“ schnell und professionell zu entwickeln. Viel Spaß beim Praktizieren und Üben!