Warum Du Atemübungen in Dein Leben integrieren solltest

Die wenigsten Menschen, mit denen ich über Atemübungen spreche, habe sich jemals etwas detaillierter damit beschäftigt. Klar. Der Atem funktioniert ja quasi von selbst. Fitness wird gleichgesetzt mit Leistung und auspowern. Bewusstes Atmen? Was soll das nützen? Langweilig! Nicht so schnell, mit folgenden drei konkreten Beispielen bringe ich Dich vielleicht zum umdenken, indem ich Dir alles etwas greifbarer mache.

1. Atemübungen reduzieren Stress

Wie schnell und oft bist Du gestresst? Regelmäßig und mehrmals am Tag oder nur ab und zu? Sind wir ehrlich, die Mehrheit der hart arbeiteten Spezies hat sehr viel Stress. Die gängigen Methoden diesem Stress zu begegnen sind nicht immer ausgeklügelt. Von kleinreden oder verdrängen über ein mehr oder minder taugliches Sport- und Wellnessprogramm bis hin zu Kompensation über Essen und Shopping. Nimm es nicht persönlich, es sind einfach zu viele Reize und Entscheidungen die täglich auf Dein Gehirn einprasseln. Für Vieles bist Du aus evolutionsbiologischer Sicht möglicherweise noch gar nicht angepasst. 

Wenn also die Erholung des letzten Wellnesswochenendes schon am Montag Nachmittag nach ein paar Meetings und Mails wieder verpufft ist, könnte der richtige Zeitpunkt gekommen sein, Atemübungen in Deinen Alltag zu integrieren. Denn der Atem steht in enger Verbindung mit Deinem Nervensystem. Wenn Du lernst Deinen Atem willentlich zu beruhigen, hat das einen entspannenden Effekt auf Dein Nervensystem. Mit etwas Übung hast Du so die Möglichkeit, Dein Stresslevel dauerhaft zu senken oder ad hoc in stressigen Situation über den Atem zu reagieren. Mithilfe dieser „Lockerheit“ bist du kreativer und produktiver, die Präsentation wird noch geschmeidiger oder die hitzige Diskussion um Provisionen löst nur noch bei Deinem Gegenüber Schweißflecken unter den Achseln aus. Mehr zur Verbindung von Atem und Nervensystem findest Du hier.

2. Atemübungen optimieren Deine Biochemie

Täglich liest Du, was alles die Gesundheit unterstützt. Von der Men´s Health über Fit For Fun oder Leitartikel im Manager Magazin. Ob dahinter gute Recherchen von kundigen Journalisten stecken oder der Praktikant irgendwas für den Anzeigenkunde auf der rechten Seite zusammengeschrieben hat, kann man als Laie schwer einordnen. Die Informationsflut nervt dann irgendwann oder verwirrt einfach nur. Jetzt auch noch Atemübungen. Nicht so schnell. Ich schreibe hier nicht über einen Fitnesstrend für Klicks und Anzeigenkunden. Ich möchte Dir schlicht und einfach den zweiten großen Vorteil von Atemübungen näher bringen.

Atemübungen und Atemanhaltübungen verbessern Deine Biochemie. Genauer gesagt die Toleranz gegenüber Kohlendioxid (CO2). Wir atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. CO2 ist für den Körper ein wichtiges Gas und viele „Arbeitstiger“ atmen aufgrund von chronischem Stress zu viel, sprich: sie atmen zu viel Kohlendioxid aus. Das führt zu einem unnatürlichen Verhältnis von Sauerstoff und Kohlendioxid. Einer der wichtigen Aufgaben von CO2 im Körper ist die Gefäßerweiterung. Zu wenig CO2 bedeutet also: keine gute Durchblutung. 

Jetzt kommt Deine Nase ins Spiel. In Deiner Nasenschleimhaut sind viele kleine Kapillare. Umso besser diese durchblutet sind, umso freier ist Deine Nase. Das führt dazu, dass Du Nachts nicht mehr durch den Mund atmen musst. Die Konsequenz: Ruhiger und erholsamer Schlaf. Was das für Deine Gesundheit und Vitalität bedeuten kann – „a big step“. Patrick McKeown, ein renomierter und erfahrener Atemcoach, drückt das so aus: „Solange man nachts nicht ruhig und entspannt durch die Nase atmet, hat man keine Ahnung, wie sich guter Schlaf anfühlt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Mehr zum Thema Biochemie und Nasenatmung hier.

"Allen, die Ausgleich zu ihrem Stress brauchen und ein Stück weit die Bereitschaft mit sich zu bringen, sich auf etwas einzulassen, was nicht 20 Minuten Laufband oder 75 Kettlebellswings sind. Die Leistungs-Konditionierung, die wir im Job erfahren, wird von vielen auch auf den sportlichen Ausgleich übertragen. Obgleich ich dafür großen Respekt empfinde, sehe ich das als zusätzlichen Stress-Faktor – nicht als Ausgleich. Daher habe ich mich bewusst für diesen Weg entschieden."

3. Atemübungen steigern Deine Leistungsfähigkeit

Ich komme aus dem Leistungssport und arbeite immer wieder mit Athleten zusammen. Es ist nicht die leichteste Übung für mich als Trainer, einem leistungsorientierten Sportler zu erklären, dass wir einen gewissen Teil der Trainingszeit mit Atemübungen verbringen werden. Für die meisten Athleten klingt das am Anfang nach Zeitverschwendung. Ich kenne das zu gut aus eigener Erfahrung. Man will einen Trainer, der einen noch stärker macht, nicht einen der Räucherstäbchen anzündet und einen auffordert, im Schneidersitz komische Rhythmen mit dem Bauch zu atmen.

Du bist schlauer und orientierst Dich an den vielen Athleten die Atemübungen für sich nutzen und bringst Deine sportliche Leistungsfähigkeit und Regeneration damit auf das nächste Level. Ich kann Dir aus persönlicher Erfahrung bestätigen, dass alle Athleten von positiven Verbesserungen durch Atemübungen berichten. Shaolin-Mönche beherrschen unglaubliche körperliche Fähigkeiten durch Kontrolle der Qi-Energie mithilfe von Atemübungen und Meditation, Formel-Eins-Fahrer nutzen den Atem um besser mit den entstehenden Adrenalinschüben umzugehen, bei Apnoe-Tauchern geht nichts ohne das Training des Atems und der „Iceman“ Wim Hof hat viele Kälterekorde mithilfe von Atemübungen aufgestellt.

 Abschließend noch ein paar konkrete physiologische Fakten, was Atemübungen und Atemanhalttechniken für Dein Training bewirken können: 

  • Besserer Schlaf und Regeneration
  • Leichteres atmen und weniger Kurzatmigkeit während des Trainings
  • Natürliche Steigerung der Produktion von Erythropoietin (EPO) und roten Blutkörperchen
  • Verbesserung der Sauerstoffversorgung von arbeitenden Muskeln und Organen
  • Weniger Milchsäureaufbau und reduzierte Muskelerschöpfung
  • Verbesserte Atemökonomie und bessere CO2max??
  • Verbesserte aerobe und anaerobe Leistung

Klingt doch gut oder? Jetzt musst Du nur noch loslegen und 3-4 Wochen Atemübungen in Deinen Trainingsalltag integrieren. Beobachte, was passiert! Hier findest Du 10 Tipps als kleine Starthilfe.

Fazit

Die drei übergeordneten Vorteile von Atemübungen sind also Reduzierung von Stress, Optimierung von Faktoren, die einen Einfluß auf die Gesundheit haben und die Steigerung von körperlicher Leistungsfähigkeit. In jeder Kategorie gibt es unzählige Beispiele und die Wirkweise findet immer im Wechsel und Zusammenhang auf geistiger und körperlicher Ebenen statt. Jeder Mensch hat da seine individuelle Wahrnehmung und kann mit etwas Erfahrung in der Atempraxis auch auf verschiedene Lebensphasen reagieren. Wenn ich alle Vorteile in einem Satz ausdrücken müsste, würde ich sagen: Atemübungen wirken beruhigend und vitalisierend zugleich.

Quellen

McKeown, Patrick. Erfolgsfaktor Sauerstoff (German Edition). Riva. Kindle-Version.

https://www.manager-magazin.de/lifestyle/artikel/a-685814.html

https://www.nwzonline.de/friesland/kultur/voellig-schmerzlos-geist-beherrscht-koerper_a_6,1,4247376635.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Wim_Hof